Die neue Vorleseoffensive der Stiftung neuer Raum
Ehrenamtliche Paten lesen in Kindergärten vor und erhöhen nachweislich den Wortschatz von Kindern vor der Einschulung: Mit Kinderbücher-schränken, kindgerechten Büchern, privatem Engagement und öffentlicher Förderung – initiiert und koordiniert von der Stiftung neuer Raum.
Die durchschnittliche Größe des Wortschatzes von Kindern im Alter von fünf bis sechs Jahren liegt bei 4.000 bis 6.000 Wörtern in ihrer aktiven Anwendung – passiv, also im Bereich des Verstehens, bei 9.000 bis 14.000 Wörtern. Doch erreicht eine zunehmende Anzahl von Kindern diesen Wortschatz nicht!
Wir wissen alle: Die Sprachfähigkeit und der Wortschatz von Kindern haben entscheidenden Einfluss auf die spätere Lesekompetenz. Ohne Lesekompetenz ist es Kindern kaum möglich, Bildungsziele der Grundschule zu erreichen – ihr Bildungsweg ist insgesamt gefährdet. Auch eine reduzierte gesellschaftliche Teilhabe, geringere Medienkompetenz und ein schwächeres Demokratieverständnis werden wahrscheinlicher.
Lesekompetenz ist eine zentrale Kulturtechnik und sie wird maßgeblich durch Vorlesen gefördert.
Es gibt viele gute Programme, Kindern im Grundschulalter mehr vorzulesen und ihnen eine verständnisvolle und erfolgreiche Teilnahme am Unterricht zu ermöglichen. Doch da ist es für viele Kinder nachweislich bereits zu spät, um noch den erforderlichen Wortschatz zu bilden. Schon Kita-Kinder brauchen Wortbildungsförderung!
Erkenntnisse aus dem Studienumfeld:
Aus dem Vorlesemonitor 2024 der Stiftung Lesen geht hervor:
● 32,3 Prozent der ein- bis achtjährigen Kinder bekommen selten bis nie vorgelesen. Überhaupt hat fast ein Drittel aller Familien maximal 10 Kinderbücher im Haus.
Die IGLU-Studie 2021 an Grundschulen betont:
● Es erreichen mehr Kinder denn je seit 2001 am Ende der vierten Jahrgangsstufe keine ausreichende Lesekompetenz.
Und die internationale PISA-Studie belegt:
● In Deutschland haben 25 Prozent der Schüler:innen im Alter von 15 Jahren kein ausreichendes Textverständnis.
Noch viele Studien können angeführt werden – wir haben da kein Erkenntnisproblem. Doch die Notwendigkeit zu handeln bleibt bestehen.
Mit ihrer Initiative 14.000 Wörter für 12.000 Kinder in 200 Kindergärten legt die Stiftung neuer Raum einen Fokus auf Kinder in städtischen Kindergärten…
… denn dort fällt es dem Personal besonders schwer, Zeit, Raum und Aufmerksamkeit für Vorlesenangebote zu finden. Ihr Konzept:
Über 1.300 Bücherschränke wurden in der ganzen Bundesrepublik an öffentlichen Plätzen aufgestellt – wetterfest, sicher und kindgerecht. Häufig bilden sie den Anker für Vorlese-, Event- und Bildungsformate. Ehrenamtliche Paten pflegen Schränke und Bücher, organisieren Begegnung und Austausch. Finanziert wird die Manufaktur sowie Lieferung, Organisation und Öffentlichkeitsarbeit von Bürgervereinen (Kommunen), Mäzenen und Sponsoren.
Diese Netzwerkerfahrung aus über 6 Jahren legt die Stiftung neuer Raum mit ihrem Initiator und Vorsitzenden, Hans-Jürgen Greve, der Initiative 14.000 Wörter für 12.000 Kinder in 200 Kindergärten zu Grunde und ruft gemeinsam mit dem Stiftungsbeirat Politik, Land, Wirtschaft und private Finanziers zur Unterstützung auf:
„Wir rufen öffentliche und private Förderer auf, sich für einen besseren Wortschatz schon bei Kindergartenkinder einzubringen.
Dazu erhält jeder beteiligte städtische Kindergarten einen kindgerechten Bücherschrank mit ca. 200 ausgewählten Kinderbüchern. Wir schulen ehrenamtlich Interessierte, die den Kindern vorlesen, und binden Eltern punktuell in entsprechend-methodische Workshops für Vorleser ein. Das Kindergartenpersonal kann sich punktuell einbinden, doch sollen ihm keine zusätzlichen Aufwende entstehen.
Mit 2 Mio. EURO starten wir in der Region Ruhrgebiet
und richten dort das Koordinationsbüro „Wortschätze für Kinder“ ein: Methodische Betreuung, Begleitforschung und Aufbau einer nachhaltigen Struktur zur Erweiterung der adressierten Kindergärten und ihren Kindern zur Förderung ihrer Wortschätze.“